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Besonders Großmütter sind ja immer noch Verfechterinnen der These, dass die gute alte Seife ein Allzweckmittel ist, das man für die Reinigung von so ziemlich allem verwenden kann: Hände, Körper, Haare und Gesicht. Schließlich sei sie günstig und in gewisser Weise auch traditionell, so die Vertreterinnen der inoffiziellen Kernseifen-Lobby. Meiner Oma nehme ich es nicht übel, wenn sie mir diesen Rat gibt, warum man ihn aber dennoch besser nicht befolgen sollte, erfahrt ihr hier im Blogbeitrag.

Um zu erklären, warum Seife unserer Haut schadet und deswegen auf keinen Fall bei der täglichen Gesichtsreinigung zum Einsatz kommen sollte, müssen wir zuerst einmal die Beschaffenheit der Haut betrachten, genauer gesagt nehmen wir den Hydrolipid-Film, der unsere Haut umgibt, unter die Lupe.

Als Hydrolipidfilm bezeichnet man eine dünne Schicht, die unsere Haut wie eine Schutzfolie überzieht. Seine Aufgabe ist es, nach außen hin alles abzuwehren, was an und in der Haut nichts zu suchen hat: Bakterien und Pilze zum Beispiel. Alles was nicht zum natürlichen Milieu der Haut gehört wird nach außen hin abgeschirmt. Die Beschaffenheit dieses schützenden Mantels wirkt sich auch auf die Geschmeidigkeit unserer Haut aus. Wie der Name schon sagt, besteht der Hydrolipidfilm vor allem aus wasserlöslichen Bestandteilen (Hydro = Wasser) und Fetten (Lipid = Fett).

Schützende Fette kontrollieren den Feuchtigkeitsgehalt der Haut

Der fettige Bestandteil des Hydrolipidfilms besteht vor allem aus Talg und Schweiß aus den Drüsen der Haut. Dass die Talgdrüsen in der Haut tagtäglich Sekrete produzieren, ist förderlich für die Haut: Durch den Talg wird die Haut geschmeidig gemacht und außerdem widerstandsfähiger. Zum Beispiel schützt eine gute Lipidschicht die Haut vorm Flüssigkeitsverlust von innen. Das ist besonders im Winter von Vorteil, wenn die Luftfeuchtigkeit besonders niedrig ist und die kalte Luft Feuchtigkeit aus unserer Haut ziehen will (Daher kommt auch das Phänomen Winterhaut – trockene und schuppige Haut während der kalten Jahreszeit). Haben wir eine gesunde Talgproduktion, kann die Flüssigkeit aus unserer Haut nicht so leicht in die Luft verdunsten und bleibt da, wo sie hingehört – in unseren Hautzellen.

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Seife legt die Haut trocken

Dass die Haut täglich gereinigt werden muss, ist klar. Im Laufe des Tages sammelt sich allerlei Unliebsames auf unserem Gesicht, das wir runterwaschen müssen. Staub und Schmutz, Cremerückstände und natürlich auch Makeup wollen wir ja nicht unbedingt über Nacht auf der Haut behalten, da es nicht nur unangenehm ist, sondern auch Bakterien Tür und Tor öffnet. Rückt man diesen Verschmutzungen nun aber mit Seife zu Leibe, wird nicht nur der Schmutz, den wir entfernen wollen, in den Abfluss gespült, sondern mit ihm auch der Talg und die von unseren Talgdrüsen produzierten Fette, die unsere Haut für ihren natürlichen Selbstschutz braucht.

Die richtigen Tenside

Die Tenside, so nennt man die Waschsubstanzen, die in Reinigungsmitteln enthalten sind, in herkömmlicher Seife sind viel zu stark und hinterlassen nichts von der natürlichen Fettschicht auf der Haut. Sie bleibt ohne Schutz zurück. Das ist für die Haut so, als ob man im stärksten Regenguss ohne Schirm oder Regenjacke rausgehen und einen Spaziergang machen würde. So ganz „nackt“ kann die Haut sich zudem nicht mehr vor dem transepidermalen Wasserverlust, also dem Verdunsten von Wasser aus der Haut, schützen und trocknet noch weiter aus. Dieses spannende und trockene Gefühl, das nach dem Waschen mit Seife auf der Haut zurückbleibt, ist nicht etwa das Gefühl gründlicher Sauberkeit, sondern das Gefühl von Austrocknung. So soll und darf die Haut sich nach dem Waschen nicht anfühlen!

Alternativ gibt es Reinigungsgels und –lotionen, die milde Tenside zum Reinigen verwenden, die den Fettmantel der Haut nicht zu stark beeinträchtigen. In der klassischen Seife ist von diesen milden Waschsubstanzen jedoch keine Spur. Die aggressive Waschwirkung der Seife lässt keine Fettrückstände auf der Haut zurück. Und das zu ihrem Leidwesen.

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Der Säureschutzmantel – noch ein Erzfeind der Seife

Nochmal zurückgespult zum Hydrolipidfilm. Er besteht nicht nur aus dem fettigen Lipid-Teil, sondern auch aus einem wässrigen Bestandteil. Der pH-Wert dieses hydrophilen Teils liegt zwischen 4 und 6 – also im sauren Bereich. Deswegen ist auch manchmal die Rede vom Säureschutzmantel, wenn man über den natürlichen Schutzfilm der Haut spricht. Dieses saure Milieu hat einen großen Vorteil für uns: Es schützt uns vor Bakterien, die in saurer Umgebung keine Überlebenschance haben.

Betrachten wir demgegenüber den pH-Wert von einem Stück Seife: Er bewegt sich mitunter im zweistelligen Bereich, typischerweise irgendwo zwischen 9 und 10. Das ist nicht verwunderlich, wird doch zur Herstellung von Seife Lauge verwendet – und Laugen sind bekanntlich sehr basisch.

Seife zerstört also mit ihren Tensiden nicht nur den schützenden Fettfilm, der unsere Haut umhüllt, sondern bringt, da sie basisch ist, auch den Säureschutzmantel ins Wanken. Statt leicht sauer bleibt die Haut nach dem Seifen-Waschgang im neutralen bis leicht basischen pH-Bereich zurück. Bis sie wieder in den sauren Bereich „zurücknormalisiert“ ist, braucht die Haut zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden. Die Zeit ist abhängig davon, wie geschädigt die Haut bereits ist und wie stark die Seife mit Wasser verdünnt war. Bakterien und reizende Inhaltsstoffe haben in dieser Zeit leichtes Spiel.

Seife + Wasser = Kalkseife

Unser Leitungswasser, das wir wahrscheinlich alle zur Reinigung benutzen, ist bekanntlich kein reines H2O, sondern enthält weitere Bestandteile, u. a. verschieden Metallionen. Magnesium- und Calcium-Ionen aus dem Wasser verbinden sich mit den Fettsäuren, die in Seife enthalten sind, und bilden Ablagerungen, die nur schwer wieder ablösbar sind: Kalkseife. Wenn man über diese Ablagerungen spricht, die sich auf Oberflächen absetzt, denkt man eher an Rohre, in denen sie sich festsetzen, aber Kalkseife entsteht überall, wo Wasser und Seife aufeinandertreffen, und das geschieht auch auf der Haut, wenn wir sie mit Seife waschen. Unschöne Vorstellung, reizend und irritierend für die Haut.

Stumpf, trocken und gereizt bleibt die Haut zurück, wenn wir sie mit Seife waschen. Eigentlich kein wünschenswerter Zustand, oder?

Das macht Seife mit unserer Haut:

  • Bakterien können leichter eindringen
  • Wasser kann leichter aus der Haut entweichen (Transepidermaler Wasserverlust)
  • Trockenheits- und Spannungsgefühle bleiben zurück
  • Kalkseife kann auf der Haut entstehen und bleiben
  • Langfristig: Rötungen und Juckreiz als Folge von Austrocknung, Infektionen

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Es gibt viele, gute Alternativen, die unser Gesicht effektiv von Schmutz und Makeup befreien und Säure und schützende Lipide unangetastet lassen. Zum Beispiel:

  • Reiniger mit milden Tensiden, z. B. Zuckertensiden, wie sie in der Naturkosmetik und der medizinischen Hautpflege benutzt werden
  • Reinigungsmilch oder Reinigungsgel, das nicht schäumt (hinter Schaum stecken meist starke Tenside, die austrocknen)
  • Reinigungsöl

Milde Reinigung ist einer der größten Gefallen, den ihr eurer Haut tun könnt und unverzichtbar für alle, die auf gesunde Hautpflege Wert legen. Also, verbannt das Stück Seife lieber in den Kleiderschrank, dort sorgt es nämlich dafür, dass die Kleidung auch Wochen nach dem Waschen noch frisch duftet. Das ist auch einer von Großmutters Tipps zum Thema Seife, und der ist sogar wirklich super!

Liebe Grüße aus Mainz,

eure Karolin